Hypochonder / Hypochondrische Störung

11 Minuten

Aktualisiert am 23. April 2026

  • Der Begriff Hypochonder wird für Menschen verwendet, die unter der Angst leiden, ernsthaft krank zu sein oder zu werden.
  • Eine ausgeprägte Krankheitsangst kann die Lebensqualität, das Sozialleben und die Berufsfähigkeit Betroffener enorm beeinträchtigen.
  • Die Medizin bezeichnet das Phänomen als hypochondrische Störung – das neueste Diagnosemanual ICD-11 verwendet auch den Begriff Krankheitsangststörung.
  • Die Ursachen sind noch nicht gänzlich erforscht. Ungünstige Erfahrungen im Zusammenhang mit Erkrankungen, erlerntes Verhalten sowie ausufernde Online-Recherchen zu Krankheits- und Gesundheitsthemen können die Störung begünstigen.
  • Kognitive Verhaltenstherapie gilt als eine bewährte Therapiemethode. Ergänzend können Achtsamkeits- und Entspannungstechniken hilfreich sei.
  • Mit entsprechender Therapie kann die Krankheitsangststörung gut behandelt werden und sich zurückbilden.

Wenn die Angst, krank zu sein, krank macht

Bis zu einem gewissen Grad ist die Angst vor Krankheiten und die Sorge um die eigene Gesundheit normal. Wenn die Gedanken allerdings immer stärker und fast zwanghaft um körperliche Beschwerden kreisen und hinter jeder Missempfindung gleich eine schwere Krankheit vermutet wird, kann sich dahinter eine hypochondrische Störung verbergen. Sie ist für Betroffene in der Regel mit einem hohen Leidensdruck verbunden und kann nicht nur die Lebensqualität, sondern in ausgeprägten Fällen auch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen.

Wie viele Menschen sind von Hypochondrie betroffen?

Die Schätzungen, wie viele Erwachsene Krankheitsängste haben, variiert erheblich und reicht von 2,1–13,1 %. Auch Kinder können schon eine hypochondrische Störung entwickeln. Entgegen weit verbreiteten Überzeugungen sind Männer und Frauen ungefähr gleich häufig von Hypochondrie betroffen.1 In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Betroffenen deutlich gestiegen – nicht zuletzt auch durch die COVID-19-Pandemie.2

Was sind Hypochondrie-Symptome?

Die Krankheit entwickelt sich meist schleichend. Bis zu welcher Grenze sind Sorgen um die eigene Gesundheit noch normal und wann muss man davon ausgehen, dass man eine Krankheitsangststörung hat? Folgende Aspekte deuten auf eine behandlungsbedürftige Störung hin:3

  • Ständige Sorge / Angst, ernsthaft erkrankt zu sein oder eine potenziell lebensbedrohliche Krankheit zu haben.
  • Wiederholtes Überprüfen des Körpers auf Krankheitsanzeichen.
  • Aufwendige Recherche zur vermuteten Erkrankung und häufige Inanspruchnahme des Gesundheitssystems oder ausgeprägtes Vermeidungsverhalten.
  • Erheblicher Leidensdruck und Beeinträchtigungen in der Lebensführung sowie im Familien, Sozial- und Berufsleben.

Wie wird Magersucht behandelt?

Die Behandlung einer Magersucht verläuft in mehreren Schritten, die aufeinander aufbauen und individuell angepasst werden. Je nach körperlichem Zustand, Motivation und Stabilität können die Phasen ambulant, tagesklinisch oder stationär erfolgen. Ziel ist es, die körperliche Gesundheit wiederherzustellen, das Essverhalten zu normalisieren und die seelischen Ursachen zu bearbeiten.

Welche Faktoren begünstigen Hypochondrie?

Aus medizinischer Sicht gibt es eine Vielzahl von (teils gut untersuchten) Annahmen hinsichtlich potenzieller Ursachen und Auslöser der Krankheitsangststörung, wenngleich hier noch Forschungsbedarf besteht.4, 5

  • Fehldeutung von Körperempfindungen – normale Körperempfindungen können als unangenehm wahrgenommen werden
  • Übermäßige Überprüfung von Gesundheitsparametern, z. B. Blutdruckmessung
  • Bestehende Angststörung
  • Gering ausgeprägte Unsicherheitstoleranz
  • Gesundheitsbezogene Grübelneigung
  • Ausgeprägte Beschäftigung mit gesundheitsbezogenen Inhalten im Internet (Cyberchondrie)
  • Aufwachsen in einer Familie mit Gesundheitsängsten (Lernerfahrungen und Vererbung von Angst vor Krankheiten)
  • Durchleben einer ernsten Erkrankung oder Miterleben von schweren Erkrankungen bei Eltern oder Geschwistern
  • Kein Vertrauen in die Kompetenzen des Gesundheitssystems
  • Überzeugung, mit einer ernsten Erkrankung nicht umgehen zu können

Wie entwickelt sich eine Krankheitsangststörung?

 

Es gibt zwei Erklärungsansätze für die Entstehung der hypochondrischen Störung: das gut untersuchte kognitiv-verhaltenstherapeutische Modell, das Hypochondrie als Ergebnis einer fehlgeleiteten gedanklichen Verarbeitung versteht, und den noch weniger gut untersuchten Erklärungsansatz des interpersonellen Modells, das ungünstige Bindungserfahrungen als Ursache einer hypochondrischen Störung versteht.6

Wie erfolgt die Diagnose „hypochondrische Störung“?

Am Anfang stehen ein ausführliches ärztliches Gespräch, eine körperliche Untersuchung und eine gezielte medizinische Basisabklärung. Weitere Untersuchungen erfolgen nur, wenn sie medizinisch sinnvoll sind. Gleichzeitig wird erfasst, wie stark die Sorge vor einer schweren Erkrankung ausgeprägt ist, ob harmlose Körperempfindungen bedrohlich bewertet werden und ob typisches Kontroll-, Rückversicherungs- oder Vermeidungsverhalten vorliegt.

Die wichtigste Grundlage ist die klinische Diagnostik durch Gespräch, Anamnese und Differenzialdiagnostik. Ergänzend können strukturierte Interviews und Fragebögen eingesetzt werden, um die Angst vor schweren Erkrankungen genauer zu erfassen und den Verlauf zu beurteilen. Solche Instrumente unterstützen die Einschätzung, ersetzen aber nicht die fachliche Gesamtbeurteilung. Die Leitlinien empfiehlt Ärzten eine gestufte, zurückhaltende Diagnostik mit somatischer und psychischer Einschätzung.8

Wie wird eine Hypochondrie behandelt?

Wenn die Sorge um die eigene Gesundheit sehr viel Raum einnimmt, kann das den Alltag stark belasten. Die gute Nachricht ist, dass es heute verschiedene Behandlungsansätze gibt, die Menschen mit Krankheitsangst gezielt unterstützen können. Welche Form geeignet ist, hängt unter anderem von der Ausprägung der Beschwerden, den persönlichen Bedürfnissen und der individuellen Versorgungssituation ab. Eingesetzt werden u. a. folgende Verfahren:9

Was können Betroffene selbst tun?

Wenn die Sorge um die Gesundheit immer mehr Zeit einnimmt, der Körper wiederholt kontrolliert wird, häufig nach Beruhigung gesucht wird oder Alltag, Schlaf, Arbeit und soziale Kontakte darunter leiden, spricht das dafür, dass aus normalen Gesundheitssorgen eine behandlungsbedürftige Krankheitsangst werden kann.

In einem ersten Schritt kann es helfen, diese Muster bewusst wahrzunehmen und zum Beispiel die Zeit für Symptomrecherche, Körperchecks oder Rückversicherungen schrittweise zu begrenzen. Auch Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen sowie die langsame Rückkehr zu vermiedenen Alltagsaktivitäten können unterstützen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder ist der Leidensdruck hoch, ist eine professionelle Behandlung sinnvoll.

Wie können Angehörige und Freunde unterstützen?

Die Sorgen und Ängste von Betroffenen können für Außenstehende bisweilen regelrecht absurde Ausmaße annehmen, trotzdem sollten „Hypochonder“ ernst genommen werden. Wichtig ist, die Ängste nicht ungewollt zu verstärken, etwa durch ständige Rückversicherung, gemeinsames Kontrollieren von Symptomen oder das Abnehmen aller angstbesetzten Situationen. Hilfreicher sind ein verständnisvoller Umgang, die Ermutigung, den Alltag möglichst normal weiterzuführen und der Hinweis auf gute Behandlungsmöglichkeiten, wenn man an einer somatoformen Störung oder einer hypochondrischen Störung erkrankt ist.

Hilfe bei einer hypochondrischen Störung finden

Für die meisten Menschen, die unter einer hypochondrischen Störung leiden, ist der Hausarzt der erste und wichtigste Ansprechpartner. Er kennt die Krankengeschichte des Patienten und kann viele ernste Krankheiten durch eine sorgfältige Differenzialdiagnostik ausschließen. Weitere mögliche Anlaufstellen sind:

Fachärzte für psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Psychosomatische Institutsambulanzen und Tageskliniken

Kliniken für Rehabilitation im Bereich psychosomatische Medizin und Psychotherapie

Häufige Fragen zum Thema „Hypochonder“

Im alltäglichen Sprachgebrauch wird der Begriff „Hypochonder“ oft genutzt, um auszudrücken, dass sich jemand seine Symptome nur einbildet oder vortäuscht. Wer als „Hypochonder“ bezeichnet wird, fühlt sich mit seinen Beschwerden also nicht ernstgenommen oder als Simulant verunglimpft. Dies kann den Leidensdruck verschärfen. Hypochondrie beeinflusst nicht nur die Lebensqualität, sondern kann auch zu einer erhöhten Mortalitätsrate führen, wie eine schwedische Studie zeigt.10

Für Hypochondrie gibt es keine Liste typischer körperlicher Symptome. Auslöser können unterschiedliche, oft reale Körperempfindungen sein. Entscheidend ist nicht, welches Symptom auftritt, sondern dass es als Hinweis auf eine schwere, fortschreitende oder lebensbedrohliche körperliche Erkrankung fehlinterpretiert wird. Mitunter werden selbst kleine Auffälligkeiten als Anzeichen einer schweren Erkrankung wie Krebs oder als medizinischer Notfall, z. B. Herzinfarkt, gedeutet. Fehlgedeutete Körperempfindungen, sind zum Beispiel:

  • Schmerzen in verschiedenen Körperregionen, etwa im Bauch, Rücken oder in den Gelenken
  • Herzklopfen, Herzrasen oder Herzstolpern
  • Kurzatmigkeit oder das Gefühl, nicht ausreichend Luft zu bekommen
  • Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung
  • Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen in Händen oder Füßen

Aktuelle Studiendaten deuten darauf hin, dass Menschen mit der Diagnose Hypochondrie ein höheres Sterberisiko haben können als Menschen ohne diese Störung. Beobachtet wurde dies sowohl für natürliche Todesursachen wie auch für Suizid.11 Als Ursachen werden unter anderem psychische Begleiterkrankungen, chronische Belastung, problematisches Gesundheitsverhalten und Versorgungsprobleme diskutiert. Umso wichtiger ist es, die Angst ernst zu nehmen und frühzeitig fachlich abklären und behandeln zu lassen.

Auch wenn die hypochondrische Störung mit ausgeprägten Ängsten einhergeht, wird sie nicht den Angststörungen zugeordnet. Im Diagnosemanual ICD-10 wird die hypochondrische Störung noch den somatoformen Störungen zugeordnet. Die neueste Version, das ICD-11, ordnet die Krankheitsangststörung der Gruppe der Zwangsstörung und verwandten Störungen zu. Auf den ersten Blick dominiert war die ausgeprägte Angst vor einer schweren Erkrankung, diagnostisch sind jedoch vor allem die anhaltende (zwanghafte) gedankliche Beschäftigung mit Krankheit sowie Kontroll-, Rückversicherungs- oder Vermeidungsverhaltensweisen relevant.12

Nicht zwangsläufig. Depressionen können bei Hypochondrie als Begleiterkrankung auftreten, sie gehören aber nicht zwingend zum Krankheitsbild. Häufig sind auch andere Angststörungen zusätzlich vorhanden. Wichtig ist, dass Krankheitsangststörung und Depression zwei unterschiedliche psychische Erkrankungen sind, die einzeln erkannt und bei Bedarf gemeinsam behandelt werden sollten.

Hypochondrie ist in der Regel gut behandelbar, auch wenn sie nicht bei allen Patientinnen und Patienten vollständig verschwindet. Viele Menschen erleben durch eine passende Therapie eine deutliche Besserung. Sie lernen, Krankheitsängste besser einzuordnen und Rückfälle früher zu erkennen. Besonders gut untersucht ist die kognitive Verhaltenstherapie.

1  Weck, F.: „Hat der Arzt mich wirklich gründlich genug untersucht…?“, Forschung Frankfurt 3/2011, S. 10

2 Kikas K, Werner-Seidler A, Upton E, Newby J. Illness Anxiety Disorder: A Review of the Current Research and Future Directions. Curr Psychiatry Rep. 2024 Jul;26(7):331-339. doi: 10.1007/s11920-024-01507-2. Epub 2024 May 15. PMID: 38748190; PMCID: PMC11211185. (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

3 Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „ICD-11 in Deutsch – Testversion. 6B23 Krankheitsangststörung“, https://www.bfarm.de/DE/Kodiersysteme/Klassifikationen/ICD/ICD-11/uebersetzung/_node.html (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

4 French JH, Hameed S. Illness Anxiety Disorder. [Updated 2023 Jul 16]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2025 Jan-. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK554399/  (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

5 Kikas K, Werner-Seidler A, Upton E, Newby J. Illness Anxiety Disorder: A Review of the Current Research and Future Directions. Curr Psychiatry Rep. 2024 Jul;26(7):331-339. doi: 10.1007/s11920-024-01507-2. Epub 2024 May 15. PMID: 38748190; PMCID: PMC11211185. (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

6 Ebd.

7 Peng, Rachel „How online searches fuel health anxiety: Investigating the link between health-related searches, health anxiety, and future intention“, In: Computers in Human Behavior, Volume 136, November 2022, 107384, https://doi.org/10.1016/j.chb.2022.107384, https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0747563222002060 (Datum des Zugriffs: 15.04.2026)

8 Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (DGPM), Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), (2018). S3-Leitlinie: „Funktionelle Körperbeschwerden“, Version 1.0, November 2018. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-001.html (Datum des Zugriffs: 15.04.2026)

9 Kikas K, Werner-Seidler A, Upton E, Newby J., a. a. O.

10 Mataix-Cols D, Isomura K, Sidorchuk A, et al.: „All-Cause and Cause-Specific Mortality Among Individuals With Hypochondriasis“. JAMA Psychiatry. 2024;81(3):284–291. doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.4744, https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2812786 (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

11 Mataix-Cols D, Isomura K, Sidorchuk A, et al. All-Cause and Cause-Specific Mortality Among Individuals With Hypochondriasis. JAMA Psychiatry. 2024;81(3):284–291. doi:10.1001/jamapsychiatry.2023.4744, https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2812786 (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

12 Bey, K. „Zwangsspektrumsstörungen in der ICD-11“. Verhaltenstherapie 23 May 2025; 35 (1): 32–43. https://doi.org/10.1159/000543976 (Datum des Zugriffs: 14.04.2026)

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