
Kokainsucht
Direkt zum Thema
- Kokainsucht ist kein Randphänomen, insbesondere junge Männer sind betroffen.
- Andauernder Konsum führt zu schweren Gesundheitsschäden.
- Schon nach kurzer Zeit kann eine psychische Abhängigkeit entstehen.
- Anzeichen für Sucht sind u. a. starkes Verlangen, Entzugssymptome, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung.
- Eine Behandlung besteht aus körperlicher Entgiftung, psychischer Entwöhnung und psychotherapeutischer Aufarbeitung von Suchtursachen.
Sucht nach Kokain – längst kein Randproblem mehr
Kokain galt lange Zeit als Aufputschdroge für die Reichen und Mächtigen. Nur wenige konnten sich das Rauschgift leisten. In den letzten Jahren ist der Konsum hierzulande jedoch deutlich angestiegen: Allein 2023 wurden deutschlandweit etwa 65.000 Menschen wegen Kokainmissbrauch behandelt.1 Entsprechend weit verbreitet ist mittlerweile auch die Kokainsucht, da Kokain ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial besitzt. Die körperlichen und psychischen Schäden können gravierend sein.
Was ist eine Kokainsucht?
Kokainsucht ist eine psychische Abhängigkeitserkrankung, die durch den wiederholten Konsum von Kokain entsteht. Die Substanz greift direkt in das dopaminerge Belohnungssystem ein und löst intensive Euphorie aus, gefolgt von einem starken Verlangen nach erneutem Konsum (Craving). Typisch ist eine rasche Tolerenzentwicklung: Die Wirkung lässt nach, während das Verlangen steigt. Körperliche Entzugssymptome sind seltener, psychische Symptome wie Reizbarkeit, Antriebslosigkeit und Depression dagegen häufig. Langfristiges Konsumieren kann zu schwerwiegenden Schäden und Störungen führen – darunter Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, psychotische Episoden und kognitive Beeinträchtigungen.

Woran erkennt man eine Kokainsucht?
Die Abhängigkeit von Kokain entwickelt sich meist schleichend, so wie bei Alkohol und anderen Drogen. Anfangs wird der Konsum oft verharmlost oder als kontrollierbar wahrgenommen. Mit der Zeit treten jedoch typische Anzeichen auf, die auf eine Abhängigkeit hinweisen – sowohl psychisch als auch körperlich.
Merkmale einer Kokainsucht
– Starkes Verlangen (Craving) nach erneutem Konsum.
– Toleranzentwicklung: Es wird zunehmend mehr Kokain benötigt, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
– Kontrollverlust über Beginn, Menge, Dauer oder Häufigkeit des Konsums.
– Vernachlässigung anderer Interessen und zunehmende Fokussierung auf die Substanz.
– Entzugssymptome wie Erschöpfung, depressive Verstimmung, Reizbarkeit oder Schlafstörungen bei Konsumstopp.
– Fortgesetzter Konsum trotz bekannter körperlicher, psychischer oder sozialer Schäden.
Körperliche Anzeichen für Kokainkonsum
– häufiges Schniefen, Nasenbluten oder Reizung der Nasenschleimhaut (bei nasalem Konsum)
– erweiterte Pupillen (Mydriasis)
– Mundtrockenheit
– verstärktes Schwitzen
– Kieferpressen, Zähneknirschen (Bruxismus)
– körperliche Unruhe, motorische Überaktivität (Hyperaktivität)
Psychische Anzeichen für Kokainkonsum
– Euphorie, übermäßige gute Laune nach dem Konsum
– plötzliche Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmung nach Abklingen der Wirkung („Crash“)
– gesteigertes Redebedürfnis, übermäßige Gesprächigkeit
– erhöhte Impulsivität, geringe Frustrationstoleranz
– übersteigertes Selbstvertrauen, Größenideen
– Risikobereitschaft und enthemmtes Verhalten
Wer und wie viele sind von einer Kokainsucht betroffen?
Kokainsucht betrifft längst nicht mehr nur bestimmte gesellschaftliche Gruppen. Inzwischen zeigen sich breitere Konsummuster, die sich durch verschiedene Alters- und Lebensbereiche ziehen. Die Zahl der Konsumierenden nimmt zu – ebenso wie die gesundheitlichen und sozialen Folgen.
Junge Männer am häufigsten betroffen
Die Zeiten, in denen Kokain ausschließlich von Topmanagern konsumiert wurde, sind vorbei. Zwar gehört Kokain immer noch zu den teuren Drogen, dennoch zählen mittlerweile überwiegend junge Männer zu den Konsumenten.2 Grund hierfür könnte vor allem ein erhöhter Leistungsdruck sein, denen sich diese Personen ausgesetzt sehen.
Crack als günstige Alternative
Wer sich das Koks nicht leisten kann, greift oft alternativ zum deutlich günstigeren Crack, einer Variante, die aus Kokainsalz hergestellt wird. Insgesamt sind die Todesfälle im Zusammenhang mit Kokain und Crack in der letzten Zeit angestiegen.3
Welche Ursachen gibt es für eine Kokainsucht?
Kokain wird insbesondere zur Leistungssteigerung missbraucht. Das aufputschende weiße Pulver hebt die Stimmung, lässt das Selbstbewusstsein wachsen und löst Glücksgefühle aus. Der Grund dafür: Die psychoaktive Substanz greift massiv in die Hirnchemie ein.
Nach dem Konsum kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung von Dopamin, das Belohnungssystem wird aktiviert. Da die Wirkung verhältnismäßig kurz anhält, neigen Konsumenten zu wiederholter Einnahme. Dadurch kommt es rasch zu einer Toleranzentwicklung und der Ausbildung eines Suchtgedächtnisses. Ähnlich wie bei Alkohol und anderen Drogen entsteht so ein intensiver Drang nach erneutem Konsum und Dosissteigerung.

Wie wird eine Kokainabhängigkeit diagnostiziert?
Um eine Abhängigkeit von Kokain zu diagnostizieren, werden in erster Linie klinische Verfahren genutzt. Neben der körperlichen Untersuchung liefert vor allem eine ausführliche Anamnese wichtige Hinweise auf das Krankheitsbild. Laboruntersuchungen kommen eher selten zum Einsatz. Entsprechend wichtig ist die Kooperation des Patienten. Nur wenn er wahrheitsgemäß über seinen Konsum informiert, kann die korrekte medizinische Diagnose gestellt werden.
Wo und wie wird eine Kokainsucht behandelt?
Bei einer Kokainabhängigkeit steht die psychische Abhängigkeit im Vordergrund. Der körperliche Entzug ist rasch überstanden und nur ein erster Schritt. Die langfristige Bewältigung des intensiven Verlangens (Craving) erfordert Zeit und therapeutische Begleitung. Eine psychotherapeutische Behandlung ist daher dringend zu empfehlen. Ohne die Auseinandersetzung mit den individuellen Ursachen und Auslösern der Sucht ist das Rückfallrisiko hoch.
Stationäre Therapie
Vielen Betroffenen wird zu einer stationären Behandlung in einer spezialisierten Klinik geraten – und das aus gutem Grund: Der stationäre Rahmen bietet nicht nur die Möglichkeit, akute Entzugssymptome medikamentös zu lindern, sondern auch das Risiko eines Therapieabbruchs zu verringern. Gleichzeitig kann unmittelbar mit der psychotherapeutischen Aufarbeitung der Suchtursachen begonnen werden – ein entscheidender Schritt, um die Gefahr von Rückfällen zu mindern und langfristig stabil zu bleiben.
Medikamentöse Therapie
Für die Behandlung der Kokainabhängigkeit stehen verschiedene Medikamente wie Topiramat, Disulfiram und Baclofen zur Verfügung. Einige dieser Substanzen sind in Deutschland nicht speziell für diese Indikation zugelassen, und die Evidenzlage ist teils noch begrenzt. Grundsätzlich gilt: Medikamente sollten nicht als alleinige Maßnahme, sondern unterstützend zur Psychotherapie eingesetzt werden. Die besten Behandlungsergebnisse zeigen sich in der Regel bei einer kombinierten Therapie, die medikamentöse Unterstützung mit einer strukturierenden, psychotherapeutischen Begleitung verbindet. 4
Psychotherapie
Für eine nachhaltige Behandlung der Kokainabhängigkeit ist eine umfassende psychotherapeutische Behandlung entscheidend. In der Therapie setzen sich Betroffene mit den individuellen Ursachen ihres Suchtverhaltens auseinander und entwickeln alternative Strategien zur Stressbewältigung und Emotionsregulation. Ein zentraler Bestandteil ist zudem die Rückfallprävention: Betroffene lernen, kritische Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren – um langfristig auf den Konsum verzichten zu können.

Was passiert, wenn eine Kokainsucht nicht behandelt wird?
Der regelmäßige Konsum von Koks ist mit einer hohen Gefahr für schwere körperliche und psychische Schäden verbunden. Auch soziale Probleme können auftreten.
- anhaltende Schwächung des Immunsystems
- Gewichtsverlust und Mangelernährung
- Organschäden an Leber, Nieren und Herz
- Schädigung des Herz-Kreislauf-Systems
- chronisches Nasenbluten
- Lungenschäden (beim Rauchen von Crack)
- Beeinträchtigung der kognitiven Leistung durch Schäden im Gehirn
- starke Stimmungsschwankungen
- Neigung zu Aggression und Gereiztheit
- Depressionen
- Angstzustände
- Schlafstörungen
- Veränderung der Persönlichkeit
- Risiko für Dermatozoenwahn und Kokainpsychose
- strafrechtliche Probleme aufgrund des illegalen Gebrauchs der Droge
- berufliche und soziale Konflikte
- finanzieller Absturz wegen hoher Drogenkosten
- soziale Isolation
Hilfe bei der Behandlung von Angststörungen finden
Ob Agoraphobie, Klaustrophobie oder generalisierte Angststörung – für Patienten mit einer Angsterkrankung gibt es viele Anlaufstellen, bei denen sie ausführlich beraten werden oder direkt eine Behandlung beginnen können. Dazu gehören:
Erste Anlaufstelle
Hausärztin / Hausarzt
- Erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen
- Ausschluss körperlicher Ursachen
- Ausstellung von Vermittlungscodes für Facharztüberweisung
Therapeuten
Psychotherapeut:in
Über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung können gesetzlich versicherte Patient:innen einen Termin für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten vereinbaren. Der Therapeut kann eine erste Einschätzung vornehmen, ob eine zeitnahe Akutbehandlung erforderlich ist oder eine ambulante Psychotherapie.
Ärzte
Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie
Zeitnahe Termine für Diagnostik und Behandlung können gesetzlich Versicherte mittels Vermittlungscode vom Hausarzt über die Terminservicestelle buchen.
Ambulanzen, Akut, Reha
Kliniken
Wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht, um die Angststörung zu behandeln, kann ein Klinikaufenthalt sinnvoll sein. Behandlungsmöglichkeiten, je nach Klinik:
- Angstambulanzen
- Teilstationär oder vollstationär
- Akutkliniken oder Rehakliniken
Alltag
Selbsthilfe
- Lokale Suche über Selbsthilfebüros oder über NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen).
Deutsche Angst-Hilfe e. V.
Aktivitäten, Online-Selbsthilfegruppen, Gruppensuche, Webinare, telefonische Unterstützung
Beratung
Chat, E-Mail, Telefon
- Telefonseelsorge
- Nummer gegen Kummer
- Jugend Notmail (bis 19 Jahre)
- bke-Jugendberatung (14 bis 21 Jahre)
- B2gether (16 bis 25 Jahre)
- Krisenchat (bis 24 Jahre)
Häufige Fragen zum Thema „Kokainsucht“
Wie lange dauert der Entzug von Koks?
Die Dauer des Entzugs bei Kokain hängt von individuellen Faktoren ab. Grundsätzlich ist von einem mehrwöchigen bis mehrmonatigen Entzug auszugehen. Entzugssymptome sind vor allem in der ersten Crash Phase zu befürchten. Danach gehen körperliche Beschwerden zurück, das sogenannte Craving bleibt jedoch bestehen. Dieses wird erst im Rahmen einer Therapie sinnvoll angegangen.
Ist Kokainsucht heilbar?
Von Kokain abhängig zu sein, ist keine Einbahnstraße. Es ist möglich, die Suchtspirale zu durchbrechen und zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Die meisten Betroffenen benötigen hierfür allerdings professionelle Hilfe. Insbesondere der stationäre Entzug inklusive umfassender Entwöhnungstherapie hat sich bewährt.
Kann man alleine von Koks wegkommen?
Koks löst eine extreme psychische Abhängigkeit aus. Deshalb ist es in den meisten Fällen nicht ratsam, einen sogenannten kalten Entzug durchzuführen. Das Rückfallrisiko ist groß, weil Betroffene das starke Verlangen nach dem Drogenkonsum nicht allein bewältigen können. Hier hilft den meisten Suchtkranken nur eine Therapie.