
Chronische Rückenschmerzen Psyche
Direkt zum Thema
- Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Schmerzen.
- Nicht immer sind körperliche Ursachen schuld – oft verursacht die Psyche die Störung.
- Die Behandlung erfolgt mithilfe von Entspannungstraining, Psychotherapie, Physiotherapie uvm.
- Je nach Schwere kann der Aufenthalt in einer Klinik oder eine Rehabilitation sinnvoll sein.
- Mögliche Schmerzursachen sollten immer medizinisch abgeklärt werden.
Wenn die Seele leidet und der Rücken schmerzt
Körperliche und psychische Gesundheit sind eng miteinander verknüpft. Rückenschmerzen sind ein vielen Menschen bekanntes Phänomen. Deutschlandweit litten im Jahr 2022 knapp 33 Prozent der Bevölkerung unter Rückenschmerzen. Interessanterweise treten Rückenschmerzen häufiger in Regionen auf, in denen viele Menschen von einer Depression betroffen sind.1 Chronische Rückenschmerzen und die Psyche stehen in vielen Fällen in engem Zusammenhang.

Wie zeigen sich chronische Rückenschmerzen durch die Psyche?
Chronische Rückenschmerzen aufgrund der Psyche sind in der Regel länger als drei Monate anhaltende Schmerzen im Bereich des Rückens (von der Nackenregion bis zum Kreuzbein), deren Auftreten sich nicht allein organisch erklären lässt. Betroffene haben zwar häufig einen auffälligen Befund, allerdings rechtfertigt dieser die Intensität und die Dauer der Schmerzen meist nicht ausreichend. Letztlich ist es das Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren, das die Beschwerden verursacht, weshalb Körper und Psyche bei der Behandlung gleichermaßen berücksichtigt werden müssen.
Wie hängen Psyche und Rückenschmerzen zusammen?
Wenn es um den Zusammenhang von chronischen Rückenschmerzen und der Psyche geht, glauben viele Menschen, dass es sich um „eingebildete“ Schmerzen handelt. Schließlich gibt es für die Schmerzen oft keine bzw. keine hinreichende organische Erklärung. Die Medizin wiederum weiß längst, dass körperliche, seelische und soziale Faktoren an der Entstehung von Beschwerden beteiligt sein können. Das gilt insbesondere für chronische Schmerzen.
Verhaltenstherapeutische Erklärungsansätze führen den Zusammenhang zwischen Schmerzen und der Psyche zumindest teilweise auf kognitive Prozesse zurück. Hierbei handelt es sich um Prozesse, die unter anderem die menschliche Wahrnehmung beeinflussen und das Ergebnis von Lernerfahrungen sind. So können negative Erwartungen und katastrophisierende Gedanken einen negativen Einfluss auf Schmerzerkrankungen haben. 2
Psychologische Faktoren spielen eine wesentliche Rolle beim Übergang vom akuten zum chronischen Schmerz. Zu den Schlüsselfaktoren gehören der individuelle Umgang mit den Beschwerden und die subjektiv erlebte Beeinträchtigung. Weiterhin hängen psychische Belastungen, schmerzbezogene Ängste und die Schmerzintensität mit der Chronifizierung zusammen.3

Wer ist von psychosomatischen Rückenschmerzen betroffen?
Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes gesundheitliches Problem, von dem Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Studien zeigen, dass die Häufigkeit mit zunehmendem Alter steigt.4 Zudem belegen Erhebungen, dass Menschen mit psychischen Vorerkrankungen ein höheres Risiko für anhaltende Rückenschmerzen haben.5 Wie viele Menschen genau unter psychosomatischen Rückenschmerzen leiden, lässt sich nur schätzen. Die Medizin geht jedoch von hohen Fallzahlen aus.

Welche Ursachen gibt es für chronische Rückenschmerzen durch die Psyche?
Es gibt meist keinen einzelnen Auslöser für Rückenschmerzen durch die Psyche. Vielmehr können verschiedene Faktoren zusammenspielen. Typische Risikofaktoren sind:
- privater und/oder beruflicher Stress
- Schlafprobleme
- psychische Erkrankungen wie Depressionen
- finanzielle Sorgen
- Selbstzweifel bzw. ein geringes Selbstwertgefühl
Wie werden psychische Rückenschmerzen diagnostiziert?
Eine gesicherte Diagnose für psychische Rückenschmerzen zu stellen, ist nicht einfach. Zunächst erfolgt die klassische Befunderhebung, bei der körperliche Ursachen im Mittelpunkt stehen. Bleiben die Beschwerden trotz bewährter Maßnahmen, wie beispielsweise Physiotherapie, bestehen und lassen sich gleichzeitig keine organischen Ursachen feststellen, kann eine psychosomatische Erkrankung vermutet werden.
Für eine differenzierte Diagnose ist eine ausführliche Anamnese erforderlich. Dabei fragt der Arzt nicht nur, wo und wie stark die Schmerzen auftreten, sondern auch, ob bestimmte Situationen die Schmerzen verstärken. Es kann hilfreich sein, wenn Patienten genau dokumentieren, wann die Beschwerden besonders stark sind oder verstärkt auftreten.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei anhaltenden psychisch bedingten Rückenbeschwerden?
Wenn Rückenschmerzen mit der Psyche in Verbindung stehen, muss auch eine angepasste Behandlung erfolgen. Anstelle von Medikamenten kommen unter anderem Psychotherapie, Bewegungs- und Entspannungstherapie zum Einsatz. Ganzheitliche Ansätze im Sinne der multimodalen Schmerztherapie haben sich bewährt. Bei entsprechender Diagnose kann eine verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation (VOR-Reha) die Therapie von Schmerzen unterstützen.

Wie kann man Rückenschmerzen durch die Psyche vorbeugen?
Nacken und Rücken zu entlasten und falsche Belastungen zu vermeiden, kann helfen, psychisch bedingte Rückenschmerzen zu lindern bzw. ihnen vorzubeugen. Zudem sollte der eigenen seelischen Verfassung ausreichend Beachtung geschenkt werden. Hilfreiche Maßnahmen sind:
- Aktiver Stressabbau bzw. gesundes Stressmanagement
- Ausreichend körperliche Bewegung und Aktivität
- Entspannungstechniken und Achtsamkeitstraining
- Übergewicht verringern
- Gesunde Ernährung
Hilfe bei psychischen Rückenschmerzen finden
Die erste und wichtigste Anlaufstelle bei allen Arten von Rückenschmerzen ist der Hausarzt. Er kann nicht nur über den Zusammenhang zwischen psychischen Faktoren und Schmerzempfinden aufklären, sondern auch erste erforderliche Untersuchungen durchführen. Darüber hinaus kann er zur weiteren Therapie an entsprechende Fachärzte verweisen und eine multimodale Schmerztherapie initiieren.
Häufige Fragen zum Thema „Rückenbeschwerden und Psyche“
Wie kann man psychische Verspannungen effektiv lösen?
Stress und innere Anspannung können zu einer erhöhten Aktivität der Muskulatur und damit zu Verspannungen führen. Mithilfe von Achtsamkeitsübungen, progressiver Muskelentspannung, Yoga oder physiotherapeutischen Übungen können Stress und Anspannung abgebaut sowie Schmerzen durch verspannte Muskeln gelindert werden.
Woran erkennt man stressbedingte Rückenschmerzen?
Wenn keine körperlichen Ursachen erkennbar sind, können Rückenbeschwerden mit der Psyche zusammenhängen. Meist entwickeln sich die Schmerzen über einen längeren Zeitraum hinweg und werden allmählich stärker. Zudem können sie in stressigen Situationen zunehmen. Oftmals werden sie von Symptomen wie Trauer oder Angst begleitet. Viele Betroffene reduzieren daraufhin ihre körperliche Aktivität, was durch den Bewegungsmangel die Beschwerden weiter verstärken kann.
Sind Rückenschmerzen immer psychosomatisch?
Nein. Rückenschmerzen können zwar psychosomatische Ursachen haben, es gibt aber auch viele körperliche Faktoren, die Kreuzschmerzen auslösen können. Dazu gehören beispielsweise Verletzungen der Wirbelsäule, Fehlbelastungen, Bewegungsmangel, Bandscheibenvorfälle, eingeklemmte Nerven oder Osteoporose. Eine ärztliche Abklärung ist daher immer ratsam.