Depressionen

10 min

Aktualisiert am 25. September 2026

  • Jeder vierte Erwachsene war schon von einer Depression betroffen.
  • Eine depressive Episode zeigt sich durch Symptome wie Interessenlosigkeit, Antriebslosigkeit und verringerte Konzentration, die mindestens zwei Wochen anhalten.
  • Weitere mögliche Symptome sind Schuldgefühle, Selbstwert- und Schlafstörungen, Suizidgedanken.
  • Depressionen entstehen im Zusammenspiel genetischer, biologischer und äußerer Faktoren mit Folgen auf emotionaler, körperlicher und Verhaltensebene.
  • Depressionen können in verschiedenen Ausprägungen auftreten: einmalig, wiederkehrend, chronisch.
  • Die Behandlung kann mit Psychotherapie, Antidepressiva und ggf. ergänzenden Therapien erfolgen.

Jeder vierte Erwachsene hatte bereits eine Depression

In der repräsentativen Umfrage des Deutschland-Barometers Depression gaben 24 % der Befragten zwischen 18 und 69 Jahren an, dass bei ihnen schon einmal eine Depression diagnostiziert wurde1. Dennoch gilt die psychische Erkrankung noch immer als Tabuthema. Das ist problematisch, denn eine wirksame Behandlung ist möglich. Hierfür müssen Betroffene jedoch ihre Angst vor Stigmatisierung überwinden und eine professionelle Therapie absolvieren.

Was ist der Unterschied zwischen Depression und Traurigkeit?

Emotionale Hochs und Tiefs erlebt jeder Mensch. Doch wo liegt die Grenze zwischen „normaler Traurigkeit“ und einer depressiven Erkrankung?

Traurigkeit als temporäre Emotion

Traurigkeit ist ein alltägliches Gefühl, das zum Leben dazugehört. Auch wenn es sich unangenehm anfühlt, traurig zu sein, schränkt dies Betroffene in ihrer Alltags- und Leistungsfähigkeit normalerweise nicht allzu sehr ein. Darüber hinaus ist Traurigkeit meist an spezielle Situationen oder Ereignisse geknüpft. Sobald diese aufgelöst werden, verschwindet oft auch die Traurigkeit wieder.

Depression als anhaltender Zustand

Eine depressive Episode kann mit Gefühlen von Traurigkeit einhergehen. Hinzu kommen weitere Symptome, die deutlich stärker ausgeprägt sind. Interessen- und Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit oder eine verringerte Konzentration sind typische Beispiele. Ein weiterer Unterschied zur Traurigkeit besteht darin, dass die Symptome dauerhaft bestehen – also über mindestens zwei Wochen hinweg und ohne große tagesabhängige Schwankungen.

Definition von Depression

Eine Depression ist eine affektive Störung, die durch anhaltende gedrückte Stimmung, Interessen- und Freudlosigkeit und/oder Antriebsmangel gekennzeichnet ist. Hinzu können laut ICD-10 weitere Symptome wie Schuldgefühle, Überzeugung von der eigenen Wertlosigkeit, Schlafstörungen oder sogar Suizidgedanken kommen. Je nach Anzahl und Schwere der Symptome spricht man von einer leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episode (mit oder ohne psychotische Symptome)2.


Was weiß man über die Ursachen von Depressionen?

Was eine Depression ist, konnte die medizinische Forschung mittlerweile umfassend klären. Welche Ursachen eine psychische Erkrankung auslösen, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Man geht heute von einem multifaktoriellen Entstehungsmodell aus, bei dem verschiedene Faktoren zusammenwirken.

Genetische Ursachen für die Entstehung von Depressionen werden aus Studien abgeleitet, in denen sich gezeigt hat, dass Kinder von depressiven Eltern ein erhöhtes Risiko haben, selbst zu erkranken. Es gibt jedoch nicht ein einzelnes Gen, das als Ursache für Depressionen bestimmt werden kann. Stattdessen scheinen mehrere Gene zusammenzuspielen – einige wurden mittlerweile identifiziert3.

Auch chemische Ungleichgewichte im Gehirn bzw. eine veränderte Funktionsweise der über das Gehirn gesteuerten körpereigenen Systeme haben einen Einfluss auf die Krankheit. So ist zum Beispiel das körpereigene Stresssystem (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) gestört: Nach der Ausschüttung des Stresshormons Cortisol fährt es sich nicht wieder herunter, sodass Patienten gewissermaßen unter Dauerstress leiden4.

Auch äußere Faktoren können die Entstehung einer depressiven Episode begünstigen. Traumata und schwere Schicksalsschläge sind hier genauso zu nennen wie der Einfluss von psychoaktiven Substanzen (Alkohol, Drogen). Auch chronischer Stress kann die Entstehung der affektiven Störung begünstigen5.

Was sind Symptome einer Depression?

Ob leichte, mittelgradige oder schwere Depression – die Liste der Symptome ist immer gleich. Unterschieden wird lediglich hinsichtlich der Anzahl und Schwere der Symptome.

Emotionale Anzeichen

Patienten mit einer Depression leiden unter großer Niedergeschlagenheit und einer gedrückten Stimmung. Sie fühlen sich oft traurig und leer, empfinden kaum noch Freude. Teilweise haben sie sogar das Gefühl, überhaupt keine Emotionen mehr zu haben. Der Blick auf die Zukunft ist von Hoffnungslosigkeit geprägt, sie verspüren oft Schuldgefühle, müssen ständig grübeln und nicht selten haben sie den Gedanken, nicht mehr leben zu wollen.

Körperliche Symptome

Die körperlichen Symptome sind für sich allein genommen nicht eindeutig und müssen mit affektiven Symptomen gemeinsam auftreten. Möglich sind zum Beispiel Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, andauernde Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Libidoverlust, Gewichtsveränderungen, Magen-Darm-Beschwerden oder eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

Verhaltensänderungen

Verhaltensänderungen sind bei depressiven Menschen häufig eine Folge emotionaler Belastungen: Betroffene ziehen sich zunehmend zurück, kapseln sich ab und scheinen plötzlich keine Lust mehr an Dingen zu haben, die ihnen früher Freude bereitet haben. Auch die Vernachlässigung körperlicher Hygiene und des eigenen Äußeren, vermehrtes Schlafen sowie zunehmende Unzuverlässigkeit im Job oder im sozialen Umfeld können auf Depressionen hinweisen.

Selbsttest Depression

Es gibt verschiedene Arten von Selbsttests, mit denen die Anzahl und die Schwere von typischen Depressionssymptomen eingeschätzt wird. Grundsätzlich können solche Tests hilfreich sein, um die eigene Situation besser einzuschätzen. Sie funktionieren jedoch nur, wenn eine ehrliche Selbsteinschätzung vorgenommen wird. Bei Verdacht auf eine depressive Erkrankung sollte man seine Befürchtungen und Ängste überwinden und einen Arzt oder Psychotherapeuten kontaktieren.

Infos zum Thema: Depression: Was tun?

Gibt es verschiedene Arten von Depressionen?

Depression ist nicht gleich Depression. Vielmehr gibt es verschiedene Formen von depressiven Störungen, die sich in ihrer Symptomatik teilweise deutlich unterscheiden.

Eine depressive Verstimmung ist (noch) keine Erkrankung, sondern lediglich eine über das normale Maß hinausgehende Niedergeschlagenheit. Sie wird meist durch konkrete Ereignisse ausgelöst und verschwindet mit der Zeit auch von allein wieder. Manchmal kann sich die depressive Verstimmung aber auch verfestigen oder ausweiten. Dann wird sie behandlungsbedürftig.

Die unipolare Depression ist das, was allgemein unter einer Depression verstanden wird. Sie lässt sich je nach Schwere und Anzahl der Symptome in leichte, mittelgradige und schwere Depressionen unterteilen. Als unipolar wird die Erkrankung bezeichnet, weil die Stimmungslage bei einer depressiven Störung zum negativen Pol hin verändert ist.

Bei einer bipolaren affektiven Störung wechseln sich Phasen mit depressiven Symptomen und Phasen mit euphorischer Stimmung ab. Patienten schwanken also zwischen extremen Hochs und Tiefs, was sehr belastend ist. Die bipolare affektive Störung ist behandlungsbedürftig, erfordert aber eine andere Therapie als die unipolare Depression.

Rezidivierende Depressionen können als wiederkehrende Depressionen beschrieben werden. Es handelt sich dabei um eine eigenständige Erkrankung, die dadurch charakterisiert ist, dass sich die depressiven Episoden wiederholen. Auch hier kann zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Form unterschieden werden.

Dysthymie ist eine anhaltende, also chronische Verstimmung, die über mehrere Monate oder sogar Jahre hinweg andauern kann. Menschen mit Dysthymie grübeln viel, fühlen sich oft antriebslos und niedergeschlagen oder können nur wenig Freude empfinden. Die Erkrankung ist zwar belastend, Betroffene sind jedoch weiterhin alltagsfähig. Um den Leidensdruck zu verringern ist eine Behandlung empfohlen.

Zyklothymie ist durch eine instabile Stimmung gekennzeichnet, die zwischen Euphorie und Depression schwankt. Beide Stimmungsextreme sind weniger stark ausgeprägt als bei einer depressiven Störung oder bei einer bipolaren Depression. Die Erkrankung kann jedoch voranschreiten.

Eine postnatale Depression tritt bei einigen Frauen kurz nach der Geburt eines Kindes ein. Niedergeschlagenheit, Kraftlosigkeit und Freudlosigkeit gegenüber dem Baby sind typisch. Die postnatale Depression kann sich von allein zurückbilden, oft ist sie aber so belastend, dass sie einer Behandlung bedarf.

Wie erfolgt die Diagnose von Depressionen?

Damit eine depressive Störung adäquat behandelt werden kann, muss zunächst die richtige Diagnose gestellt werden. Hierzu gehört auch, andere Ursachen für die depressiven Symptome auszuschließen.

Psychologische Tests

Beim Termin mit dem Hausarzt fragt dieser zunächst ganz allgemein die typischen Symptome einer depressiven Störung ab und eruiert auch den zeitlichen Verlauf. Häufig wird außerdem der Patientenfragebogen PHQ-9, der neun Fragen zur Depressivität umfasst, verwendet. Das diagnostische Interview ist die wichtigste Methode, um die Diagnose einer Depression zu stellen.

Medizinische Untersuchungen

Medizinische Untersuchungen dienen im Rahmen der Diagnostik dazu, andere mögliche Ursachen für die depressive Symptomatik beim Patienten auszuschließen. Denkbar sind zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonell bedingte Erkrankungen (z. B. Schilddrüse), Allergien, Infektionen oder ein Mangel an bestimmten Nährstoffen.

Wie erfolgt die Behandlung einer Depression?

Depressive Patienten leiden enorm unter der Krankheit. Viele von ihnen sind überdies suizidgefährdet. Deshalb ist eine adäquate und individuell angepasste Behandlung sehr wichtig. Sie sollte außerdem so früh wie möglich beginnen.

Psychotherapie ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Patienten in einer depressiven Episode. Verschiedene Therapieformen stehen zur Auswahl: Kognitive Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, systemische Therapie.

Neben der Psychotherapie gibt es weitere Behandlungsverfahren, die bei Depressionen eingesetzt werden. Sie dienen in erster Linie dazu, das Aktivitätslevel der Patienten zu fördern, ihre Alltagsfähigkeit zu stärken und Symptome zu lindern.

  • Lichttherapie mit speziellen Tageslichtlampen, insb. bei Winterdepressionen
  • Schlafentzugsbehandlung im klinischen Setting
  • Sporttherapie, insb. Ausdauersportarten
  • Ergotherapie zur Verbesserung sozialer Kompetenzen
  • Soziotherapie, um Klinikaufenthalte zu vermeiden
  • Kreativtherapien zur Förderung von emotionalem Ausdruck und Bewusstwerdungsprozessen
  • Entspannungsverfahren zur Stressreduktion
  • Elektrokrampf- und Magnetkrampftherapie, Therapieoption unter Vollnarkose bei schweren Depressionen

Zur medikamentösen Therapie einer depressiven Erkrankung stehen verschiedene Medikamente (Antidepressiva) zur Auswahl. Sie basieren auf unterschiedlichen Wirkmechanismen. Im Fokus steht die Beeinflussung der Hirnchemie. Trizyklische Antidepressiva, Noradrenalin-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, MAO-Hemmer und Co. gelten als gut erforscht. In der Regel werden Antidepressiva nur als ergänzende Therapie zu psychotherapeutischen Verfahren und nur bei Patienten mit schweren Depressionen verschrieben.

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Hilfe bei Depressionen finden

Was tun bei Depressionen? Diese Frage stellen sich Betroffene und Angehörige. Zahlreiche Anlaufstellen bieten Hilfe. Kurzfristig können Termine in akuten Fällen über die Kassenärztliche Vereinigung oder über regionale Angebote wie die TSS des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts vereinbart werden.

Erste Anlaufstelle

Hausärztin / Hausarzt

  • Erste Anlaufstelle bei psychischen Problemen
  • Ausschluss körperlicher Ursachen
  • Ausstellung von Vermittlungscodes für Facharztüberweisung

Therapeuten

Psychotherapeut:in

Über die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung können gesetzlich versicherte Patient:innen einen Termin für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten vereinbaren. Der Therapeut kann eine erste Einschätzung vornehmen, ob eine zeitnahe Akutbehandlung erforderlich ist oder eine ambulante Psychotherapie.

Ärzte

Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie

Zeitnahe Termine für Diagnostik und Behandlung können gesetzlich Versicherte mittels Vermittlungscode vom Hausarzt über die Terminservicestelle buchen.

Ambulanzen, Akut, Reha

Kliniken

Wenn eine ambulante Therapie nicht ausreicht, um die Angststörung zu behandeln, kann ein Klinikaufenthalt sinnvoll sein. Behandlungsmöglichkeiten, je nach Klinik:

  • Ambulant (Psychiatrische Institutambulanz PIA)
  • Teilstationär (Tagesklinik)
  • Vollstationär

Alltag

Selbsthilfe

Lokale Suche über Selbsthilfebüros oder über NAKOS (Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen). Hier kann man online themenspezifisch recherchieren.

Beratung

Chat, E-Mail, Telefon

Online-Beratung Erwachsene

Online-Beratung Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene

Was kann man selbst bei Depressionen tun?

Was tun bei Depressionen? Sollten sich die Symptome einer depressiven Episode bemerkbar machen, ist es sinnvoll, diese nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Zwar ist nicht jede traurige oder gedrückte Stimmung direkt behandlungsbedürftig, jedoch kann anhaltende Niedergeschlagenheit ein Anzeichen für eine Depression sein. In diesem Fall ist der Hausarzt meist der beste Ansprechpartner. Dieser kann nicht nur eine genauere Beurteilung vornehmen, sondern durch verschiedene Untersuchungen körperliche Ursachen ausschließen.

Aktiv werden

Obwohl Menschen mit Depressionen den Drang verspüren, sich zurückzuziehen und zu isolieren, kann das genaue Gegenteil bei einer Depression hilfreich sein. Sport und Hobbys helfen dabei, sich aus dem Gedankenkarussell zu befreien, stimulieren das Belohnungszentrum im Gehirn und können wieder zu mehr Freude am Leben verhelfen. Auch der soziale Austausch mit Freunden und der Familie, im Sportverein oder in einer Selbsthilfegruppe werden von vielen Menschen als positiv empfunden.

Psychotherapie beginnen

Wenn sich die Symptome der Depression verfestigen und es Betroffenen nicht gelingt, selbst eine Besserung zu erreichen, ist es Zeit, professionelle Hilfe zu suchen. Eine Psychotherapie erzielt bei vielen Menschen schon nach wenigen Sitzungen eine signifikante Besserung. Sie kann außerdem verhindern, dass sich der Zustand verschlechtert. Bei Bedarf kann (in Absprache mit einem Arzt) eine zusätzliche, individuelle Medikation (Antidepressiva) sinnvoll sein.

Häufige Fragen zum Thema Depressionen

Können Depressionen vererbt werden?

Depressionen werden nicht per se vererbt, jedoch ist eine Veranlagung für die Erkrankung erblich. Das zeigt sich daran, dass depressive Krankheiten familiär gehäuft auftreten. Wenn die eigenen Eltern an einer Depression gelitten haben, besteht für die Kinder ein erhöhtes Risiko, die affektive Störung früher oder später selbst auszubilden.

Was kann ich als Angehöriger eines depressiv Erkrankten tun?

Angehörige können Betroffene unterstützen, indem sie die Erkrankung ernst nehmen, auf Schuldzuweisungen verzichten und bei der Suche nach Hilfe unterstützen. Gut gemeinte Ratschläge oder Aufmunterungsversuche kommen dagegen selten gut an. Auch Angehörige sollten sich bei Bedarf Hilfe suchen. Nur, wenn sie aktiv Selbstfürsorge betreiben, können sie für den Erkrankten da sein.

Kann man das Entstehen einer Depression verhindern?

Es gibt kein Patentrezept, mit dem sich die Entstehung einer Depression zuverlässig verhindern ließe. Durch einen aktiven, gesunden Lebensstil lässt sich das Risiko für die Ausbildung der Erkrankung jedoch verringern. Hobbys, sportliche Aktivitäten, Verzicht auf übermäßigen Genuss von Alkohol und ein verlässliches soziales Umfeld gelten als förderlich. Trotzdem gilt: Auch stabil gefestigte, erfüllte und sozial eingebundene Menschen können depressiv werden.