Somatoforme Störung

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Aktualisiert am 2. Juli 2026

  • Definition: Der Begriff „somatisch“ stammt aus dem Griechischem und bedeutet „den Körper betreffend“. Wer eine somatische Störung hat, leidet unter körperlichen Beschwerden.
  • Somatische Beschwerden: Darunter fallen alle körperlichen Symptome, zum Beispiel Schmerzen, Schlafstörungen, Schwindel, Erschöpfung, Herz- und Atembeschwerden, Magen-Darm-Probleme.
  • Differenzierung: Der Begriff „somatoforme Störung“ wird im Diagnosemanual ICD-10 für Beschwerden verwendet, die keine organische Ursache haben. Mit der Einführung der Diagnose „somatische Belastungsstörung“ im ICD-11 ändert sich dies, ebenso die diagnostischen Kriterien.
  • Folgen: Somatische Beschwerden können die Alltagsfähigkeit und Lebensqualität von Patienten stark beeinträchtigen.
  • Diagnostik: Für eine zielgerichtete Behandlung müssen Symptome, mögliche Ursachen, Verstärker, Belastungssituationen und eventuell vorhandene Ängste, Depressionen etc. erfasst werden.
  • Behandlung: Das individuelle Leid und die Symptome müssen ernst genommen werden. Die Behandlung erfolgt beschwerdespezifisch, ergänzt durch Psychoedukation und ggf. Psychotherapie.
  • Prognose: Bei etwa einem Viertel der von Körperbeschwerden Betroffenen verschwinden die Symptome nicht von allein, d. h. sie können chronisch werden und den Alltag stark einschränken.1 Deshalb ist eine frühzeitige Behandlung wichtig.

Beschwerden ohne erkennbare Ursache sind weit verbreitet

Viele Menschen kennen wiederkehrende Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Erschöpfung, für die sich trotz ärztlicher Untersuchungen keine körperlichen Ursachen finden lassen. Das kann verunsichern und das Gefühl auslösen, mit den eigenen Beschwerden nicht ernst genommen zu werden. Viele suchen in der Folge Rat bei verschiedenen Fachärzten und absolvieren einen regelrechten „Ärztemarathon“ auf der Suche nach dem Grund für das real existierende Leid.

Was ist eine somatoforme Störung?

Somatoforme Störungen sind körperliche Beschwerden, die bei Betroffenen erhebliches Leid verursachen. Früher hat man den Begriff ausschließlich für Symptome verwendet, für die sich keine körperliche Ursache finden ließ. Heutzutage verwendet die Medizin den Begriff „somatische Belastungsstörung“ unabhängig davon, ob die Symptome durch eine körperliche Erkrankung verursacht werden oder nicht.

Was ist eine somatische Belastungsstörung?

Gemäß dem neuesten Diagnosemanual ICD-11 ist eine somatische Belastungsstörung durch folgende Merkmale gekennzeichnet:2

  • Beeinträchtigung von Alltagsfähigkeit und Lebensqualität
  • Körperliche, teils wechselnde Symptome, die seit mehreren Monaten an den meisten Tagen bestehen und als belastend erlebt werden
  • Anhaltende, übermäßige Beschäftigung mit den Symptomen, die zu einer intensiven Inanspruchnahme des Gesundheitssystems führen kann
  • Fortgesetzte Fokussierung auf die Symptome unabhängig von der ärztlichen Einordnung

Wie häufig tritt eine somatoforme Störung auf?

Schätzungen gehen davon aus, dass bei 20–50 % der Patientinnen und Patienten, die ihren Hausarzt mit Beschwerden konsultieren, keine eindeutigen körperlichen Ursachen gefunden werden.3 Häufig bestehen mehrere Symptome gleichzeitig.

Wer ist besonders gefährdet, an einer somatoformen Belastungsstörung zu erkranken?

Somatische Beeinträchtigungen können grundsätzlich jeden treffen. Erkrankungsgipfel liegen zwischen dem 15. und 25. sowie zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Mit der Zahl der Symptome steigt das Erkrankungsrisiko.

  • Besonders betroffen sind Frauen. Sie sind u. a. stärker von hormonellen Faktoren abhängig, haben eine andere Körperwahrnehmung und ein größeres Risiko, Opfer von körperlicher / sexueller Gewalt zu werden, die zu Traumafolgestörungen und Körpersymptomen führen können.4
  • Gleichzeitig bestehende psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angsterkrankungen erhöhen das Risiko für eine somatoforme Belastungsstörung.
  • Wenn sich die Körperbeschwerden während der Adoleszenz, also in der Phase des Übergangs von der Kindheit über die Pubertät bis zum Erwachsenenalter entwickeln, besteht ein erhöhtes Risiko, dass sie bestehen bleiben.5 Das macht noch einmal deutlich, wie wichtig eine frühzeitige, ganzheitliche Diagnostik und Behandlung ist.
  • Niedriger sozioökonomischer Status, belastende Lebensereignisse und bestimmte Persönlichkeitseigenschaften können das Risiko ebenfalls erhöhen.6

Welche Symptome können bei einer somatoformen Störung auftreten?

Somatoforme Störungen können sich durch eine Vielzahl funktioneller Beschwerden zeigen, die auch variieren oder wechseln können, was die Diagnostik erschwert. Der Anteil medizinisch nicht erklärbarer Symptome ist in folgenden Bereichen in absteigender Reihenfolge besonders hoch:7

  • Gastroenterologie, z. B. Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Blähungen, Durchfall etc.
  • Neurologie, z. B. Nervenbeschwerden, Schwindel, Lähmungen
  • Kardiologie, z. B. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Herzrasen, Brustschmerzen etc.
  • Allgemeinmedizin, z. B. Luftnot, Brustschmerzen und Atemstörungen
  • Pneumologie, z. B. Luftnot, Brustschmerzen und Atemstörungen
  • Orthopädie, z. B. Schmerzen im Rücken, im Muskeln und Gelenken
  • Gynäkologie, z. B. Beschwerden in den weiblichen Geschlechtsorganen

Wie entsteht eine somatoforme Störung?

Bisher gibt es noch kein einheitliches Modell für die Entstehung somatoformer Störungen. Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass die Körpersymptome Folge eines komplexen Zusammenwirkens von biologischen Faktoren (genetische Veranlagung, Alter, Geschlecht, körperliche Erkrankungen), psychischen Faktoren (Ängstlichkeit, Depressivität) und sozialen Faktoren (familiäres, soziales und berufliches Umfeld) sind. Es gibt verschiedene Erklärungsansätze, warum somatische Symptome auch ohne körperlichen Befund bestehen bleiben können:8

Informationsverarbeitung

Die meisten Körpervorgänge, die vom vegetativen Nervensystem gesteuert werden, etwa Herzschlag, Verdauung oder Stoffwechselprozesse, laufen im Alltag überwiegend unbewusst ab. Unter körperlicher oder seelischer Belastung, nach Infektionen, bei ausgeprägten Gesundheitsängsten oder durch bestimmte Erwartungen kann die Aufmerksamkeit für körperliche Signale jedoch zunehmen. Auch belastende oder traumatische Erfahrungen können die Wahrnehmung und Bewertung solcher Signale beeinflussen. Wie körperliche Empfindungen erlebt und eingeordnet werden, hängt nicht nur von den aktuellen Signalen ab, sondern auch von früheren Erfahrungen, Erwartungen und der individuellen Verarbeitung dieser Reize.

Fehlerhafte kognitive Verarbeitung

Erhöhte Anspannung, Stress oder Infektionen können dazu führen, dass Betroffene ihren Körper stärker beobachten und normale oder leichte Veränderungen fehlinterpretieren. Dadurch können sich diese verstärken. Bestimmte Verhaltensweisen können überdies dazu beitragen, dass der Kreislauf aufrechterhalten wird, z. B. ständiges Kontrollieren des eigenen Körpers, häufige Arztbesuche, viele Untersuchungen, vermehrte Medikamenteneinnahme oder übermäßige Schonung.

Anpassungen des Verhaltens

Körperbeschwerden führen in der Regel zu einer Verhaltensanpassung, um die Symptome zu lindern oder das erneute Auftreten zu verhindern. Dies ist in der Regel sinnvoll, kann sich aber ins Gegenteil verkehren, wenn Betroffene sich übermäßig schonen, Alltagsaktivitäten, Bewegung und soziale Kontakte reduzieren oder ganz einstellen. Die Verringerung körperlicher Aktivität kann beispielsweise zu einer Schwächung von Belastbarkeit und Ausdauer und einer schnelleren Ermüdbarkeit führen. Das Herunterfahren von Sozialkontakten kann Einsamkeitsgefühle und Depressionen verstärken und ein negatives Selbstbild begünstigen.

Schwierigkeiten in der Emotionsregulation

Schwierigkeiten im Umgang mit den eigenen Gefühlen, dem Ausdruck der eigenen Befindlichkeit sowie Grübelneigung und Katastrophisieren könnten im Zusammenhang mit somatoformen Störungen ebenfalls eine Rolle spielen. Es scheint Zusammenhänge zwischen der Unterdrückung von Gefühlen und Erschöpfungssymptomen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu geben.

Funktion der Krankenrolle

Wie in der Familie und im Umfeld mit Erkrankungen umgegangen wird, kann sowohl das Erleben als auch den Umgang mit Körperbeschwerden beeinflussen. Wer als Kind Aufmerksamkeit und Zuneigung überwiegend in Krankheitsphasen erlebt hat, könnte unbewusst zur Aufrechterhaltung von Krankheitssymptomen neigen, gleiches gilt, wenn die Rolle des Kranken vor Konflikten schützt.

Persönlichkeitseigenschaften

Auch bestimmte Persönlichkeitsfaktoren können die Entstehung und Aufrechterhaltung somatoformer Störungen begünstigen. Das Modell der sogenannten Big Five von Eysenck beschreibt fünf grundlegende Persönlichkeitsmerkmale: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Für das Erleben somatischer Beschwerden ist die Ausprägung des Neurotizismus besonders relevant. Damit ist gemeint, wie stark jemand zu Ängsten, Sorgen, Traurigkeit, Ärger oder Schuldgefühlen neigt. Menschen mit höheren Neurotizismusanteilen nehmen körperliche Veränderungen oft sensibler wahr und bewerten sie häufiger als bedrohlich, wodurch diese als besonders belastend erlebt werden können.

Wie wird eine somatoforme Störung diagnostiziert?

Neben der Krankengeschichte, den Beschwerden, dem Beginn der Symptome und verstärkenden Faktoren sollten auch die aktuelle Lebenssituation, seelische Belastungen, körperfokussierte Verhaltensweisen (sensible Körperbeobachtung, Abtasten, Messen von Puls, Blutdruck, Temperatur) und vergangene, belastende Lebensereignisse erfasst werden, gleiches gilt für Ressourcen und Schutzfaktoren. Der Arzt kann hierfür strukturierte Interviews und Selbstbeurteilungsfragebögen einsetzen.

Für die Diagnostik und den Behandlungserfolg ist es wichtig, dass Ärzte nicht nur die Symptome ihrer Patientinnen und Patienten ernst nehmen, sondern auch deren Befürchtungen und sich Zeit für die Beantwortung von Fragen nehmen. Dies dient nicht nur der Diagnostik, sondern auch einer guten Arzt-Patienten-Beziehung, die bei somatischen wie auch bei psychischen Krankheitsbildern eine Rolle für die Compliance, also die Mitarbeit des Patienten, und den Behandlungserfolg spielt.

Wie wird eine somatoforme Störung behandelt?

Für funktionelle Körperbeschwerden, zu denen auch somatoforme Störungen gezählt werden, beschreibt die S3 Leitlinie „Funktionelle Körperbeschwerden“ 9 ein stufenweises Behandlungskonzept. Je nach Schweregrad reicht dieses von der ärztlichen Grundversorgung über Aufklärung, aktive Bewältigungsstrategien und symptomlindernde Begleitmaßnahmen bis hin zu Psychotherapie, multimodalen Behandlungsangeboten sowie Rehabilitation.

Grundversorgung, Psychoedukation und symptomatische Behandlung

Ein wichtiger erster Schritt ist die Erarbeitung eines nachvollziehbaren, biopsychosozialen Erklärungsmodells gemeinsam mit dem Patienten. Die individuellen Beschwerden werden dabei weder rein körperlich noch rein psychisch erklärt. Vielmehr geht es darum, dass Betroffene verstehen, wie Körper, Psyche und Soziales zusammenwirken, welche Einflussmöglichkeiten sie selbst haben und wie Teufelskreismodelle entstehen. Gemeinsam mit dem Patienten stimmt der Arzt eine aktive Bewältigungsstrategie und Maßnahmen zum schrittweisen Abbau von Schon- und Vermeidungsverhalten ab. Passive symptomlindernde Maßnahmen können die Behandlung zeitlich begrenzt ergänzen, z. B.:

  • Analgetika bei Schmerzen
  • Psychopharmaka bei manifesten psychischen Erkrankungen
  • passive physikalische und physiotherapeutische Anwendungen
  • komplementärmedizinische Begleitmaßnahmen wie etwa Akupunktur oder Phytotherapie
Körperliche Aktivierung

Die Leitlinie beschreibt körperliche Aktivierung als zentrale Therapiemaßnahme. Sie soll individuell angepasst und möglichst alltagsnah erfolgen. Empfohlen werden zum Beispiel:

  • kleine Veränderungen im Alltag
  • eigeninitiierte, angenehme Bewegung
  • ein schrittweiser Aktivitätsaufbau
  • Muskel- und Konditionstraining
  • ein Wechsel zwischen Aktivität und Erholung
  • Bewegungsangebote in der Gruppe
Ambulante Psychotherapie

Psychotherapie ist laut Leitlinie eine wichtige und nachweislich wirksame Behandlungsform. Sie sollte erwogen werden, wenn psychosoziale Belastungsfaktoren, psychische Begleiterkrankungen, ungünstige Krankheitsannahmen, starke Alltagsbeeinträchtigungen oder eine anhaltend schwierige Behandler-Patient-Beziehung vorliegt. Als wissenschaftlich gut abgesicherte Verfahren nennt die Leitlinie insbesondere:

  • kognitive Verhaltenstherapie
  • psychodynamische Psychotherapie
  • Hypnotherapie
Multimodale ambulante Behandlung

Bei schwereren oder komplexeren Verläufen empfiehlt die Leitlinie ein ambulantes Behandlernetzwerk mit abgestimmter, koordinierter Behandlung. Der behandelnde Arzt soll dabei Hauptansprechpartner und Koordinator bleiben. In Abhängigkeit vom Krankheitsbild können unter anderem folgende Bausteine kombiniert werden:

  • Psychotherapie
  • Krankengymnastik oder spezielle Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Entspannungsverfahren
  • medizinische Trainingstherapie
  • sensomotorisches Training
  • Arbeitsplatztraining
  • Kunst- oder Musiktherapie

Ergänzend können körperbezogene / übende Verfahren im individuellen Fall hilfreich sein. Hierzu zählen u. a.:

  • Atemtherapie
  • Biofeedback oder Neurofeedback
  • Feldenkrais
  • konzentrative Bewegungstherapie
  • Tanztherapie
  • Gesundheitstraining
  • therapeutisches Schreiben
  • Meditation
  • Achtsamkeitstraining oder MBSR
  • Autogenes Training
  • Tai Chi
  • Qi Gong
  • Yoga
Teilstationäre oder stationäre multimodale Behandlung

Wenn eine ambulante Therapie nicht möglich ist oder nicht ausreicht, kann eine teilstationäre oder stationäre multimodale Behandlung sinnvoll sein. Diese empfiehlt sich vor allem bei schwerer Symptomatik, deutlicher funktioneller Beeinträchtigung, Chronifizierungsgefahr, krisenhaften Zuspitzungen, Misserfolg ambulanter Therapien oder ausgeprägten sozialmedizinischen Problemen. Der multimodale Behandlungsplan sollte mehrere therapeutische Angebote systematisch kombinieren, z. B.:

  • organbezogene oder symptomatische Therapien
  • Psychotherapie im Einzel- und Gruppensetting
  • körperbezogene Therapie
  • Physiotherapie
  • weitere ergänzende therapeutische Angebote
Medizinische Rehabilitation

Eine medizinische Rehabilitation kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die Teilhabe im Alltag, die Selbstversorgung oder die Erwerbsfähigkeit gefährdet sind und eine weitere Chronifizierung verhindert werden soll. Die Reha sollte fachübergreifend angelegt sein und ausreichend Beratung, Psychodiagnostik und Psychotherapie enthalten. Je nach Bedarf kommen stationäre oder ganztägig ambulante sowie somatische oder psychosomatische Einrichtungen infrage. Bei relevanten psychosozialen Belastungen soll nach Leitlinie ein psychosomatisches Heilverfahren angestrebt werden.

Was können Betroffene selbst tun?

Betroffene können selbst dazu beitragen, den Beschwerdekreislauf zu durchbrechen. Wichtig ist eine gute ärztliche Begleitung, eine verständliche Erklärung, wodurch das Leid verstärkt werden kann, und kleine, gut machbare Schritte im Alltag. Dazu gehören vor allem mehr angepasste Bewegung, weniger Schon- und Vermeidungsverhalten, der Wechsel zwischen Aktivität und Entspannung sowie der bewusste Aufbau von Selbstwirksamkeit. Auch geeignete Selbsthilfeangebote können unterstützen. Gleichzeitig gilt: Anhaltende oder stark belastende Beschwerden sollten professionell begleitet werden.

Ist eine somatoforme Störung heilbar?

Eine somatoforme Störung verläuft unterschiedlich. Pauschal lässt sich daher nicht sagen, dass sie immer heilbar ist. Mit einer geeigneten, frühzeitig einsetzenden Behandlung lassen sich Beschwerden und die damit verbundenen Beeinträchtigungen jedoch oft deutlich lindern. Ziel der Therapie ist es, den Umgang mit den Symptomen zu verbessern, Belastungsfaktoren zu erkennen und die Lebensqualität zu erhöhen. Je früher eine abgestimmte Behandlung beginnt, desto besser lässt sich das Risiko für chronische Verläufe und zusätzliche Belastungen verringern.

Häufige Fragen zum Thema „Somatoforme Störung“

Welches Problem tritt häufig bei Patienten mit somatoformen Störungen auf?

Zu den häufigsten Beschwerden bei somatoformen Störungen gehören Verdauungsprobleme wie Durchfall und/oder Übelkeit sowie Herz-Kreislauf-Probleme, z. B. Herzrasen oder Schwindel. Ebenfalls häufig kommen chronische Schmerzen vor, z. B. Kopf- und Rückenschmerzen.

Welche biologischen Faktoren können eine somatoforme Störung begünstigen?

Auf körperlicher Ebene können verschiedene Faktoren dazu beitragen, dass anhaltende Beschwerden entstehen oder bestehen bleiben. Dazu zählen frühere oder aktuelle körperliche Krankheiten, ein geschwächter körperlicher Zustand, etwa durch Schonung oder Bewegungsmangel, sowie genetische Einflüsse. Eine Rolle spielen könnte auch die Stressverarbeitung über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), wobei die Forschungsergebnisse hier noch recht uneinheitlich sind, sowie das serotonerge System und die Schmerzverarbeitung.

Welchen Einfluss kann die Kindheit auf die Entwicklung von somatischen Beschwerden haben?

Belastende Erlebnisse in der Kindheit, ungünstige Lebensumstände, außergewöhnliche Lebensereignisse und fehlende oder mangelhafte Unterstützung durch Bezugspersonen können im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren Einfluss auf die Entwicklung und Aufrechterhaltung einer somatischen Belastungsstörung haben. Andererseits kann auch ein überbehütendes Umfeld, das dem Kind keine Möglichkeit zur Bewältigung von Belastungen gibt, sowie eine Fokussierung auf körperliche Symptome zur Ausbildung / Aufrechterhaltung somatoformer Beschwerden beitragen.10

Wie beeinflussen gesellschaftliche Rahmenbedingungen das Risiko für fortbestehende Beschwerden?

Gesellschaftliche Bedingungen können, abhängig von der Kultur, dem jeweiligen System und dessen Bedingungen, das Fortbestehen somatischer Beschwerden begünstigen. Eine gute soziale Absicherung, die Aussicht auf eine Frühverrentung oder -pensionierung und objektiv gering ausgeprägte Symptome können beispielsweise dazu beitragen, dass die Symptome (unbewusst) aufrechterhalten werden.11

Was ist eine Somatisierungsstörung?

Die Diagnose Somatisierungsstörung12 ist im ICD-10 noch enthalten, im ICD-11 nicht mehr. Sie zeichnet sich durch mehrere wechselnde und wiederkehrend auftretende körperliche Beschwerden aus, die über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren bestehen. Die Symptome mussten so belastend sein, dass sie weitreichende Konsequenzen für den beruflichen oder familiären Alltag haben. Wenn die Symptome seit weniger als zwei Jahren bestehen, spricht man von einer undifferenzierten Somatisierungsstörung.

Was ist eine hypochondrische Störung?

Der Begriff Hypochonder13 ist im allgemeinen Sprachgebrauch recht bekannt und wird nicht selten in stigmatisierender Weise verwendet. Im ICD-10 gibt es den Begriff der hypochondrischen Störung noch. Sie bezeichnet Patienten, die davon überzeugt sind, von mindestens einer schweren körperlichen Krankheit betroffen zu sein. Die Betroffenen beschäftigen sich übermäßig viel mit den vermeintlich zugehörigen Symptomen und bewerten oft auch vollkommen normale körperliche Wahrnehmungen als auffällig.

Was ist eine somatoforme autonome Funktionsstörung?

Die somatoforme autonome Funktionsstörung14 ist ebenfalls eine Diagnose aus dem ICD-10. Betroffene erleben in erster Linie Symptome, die sie mit vegetativ gesteuerten Organen in Verbindung bringen. Hierzu gehören zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System oder der Gastrointestinaltrakt. Typische Symptome sind Herzklopfen, Zittern oder Schwitzen.

Was ist eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung?

Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung15 geht mit einem andauernden, starken Schmerz einher, der keine organische Ursache hat, jedoch mit besonderen psychosozialen Belastungen verbunden ist.